Magazin Kölner Stadt Anzeiger 25.1.11
Ein ganz besonderes Kind
Von Claudia Hauser, 20.03.11, 21:18h, aktualisiert 20.03.11, 21:20h
Der achtjährige Luca ist vom Down-Syndrom betroffen. Dies kann im Alltag manchmal Stress bedeuten, doch Lucas Eltern freuen sich an seiner Spontanität und Begeisterung für neue Dinge - und fördern ihren Sohn, wo es nur geht.
Als Corinna Lörken mit 32 schwanger wurde, verlief alles ganz normal. Luca ist ein Wunschkind. Als die Ärzte der Mutter und ihrem Lebensgefährten, (51), wenige Tage nach der Geburt mitteilten, dass der Säugling das Down-Syndrom hat, brach erst mal eine Welt zusammen. „Warum wir?“ war die Frage, die das Paar quälte. „Schon nach kurzer Zeit dachte ich aber: Warum eigentlich nicht wir?“, erzählt die 41-Jährige. „Warum sollten wir nicht in der Lage sein, das zu schaffen?“ Sicher wäre vieles anders gelaufen und einfacher, wenn Luca nicht immer hundertprozentige Aufmerksamkeit benötigen würde. „Alles muss gut organisiert sein. Er kann nicht einfach allein zum Spielen auf die Straße.“ Luca kennt alle Nachbarskinder, aber es könnte passieren, dass er einfach in einen Bus ein- und irgendwo wieder aussteigt, wenn es ihm spontan einfiele.
Automatisch im Mittelpunkt
Wenn seine Mutter oder sein Vater keine Zeit haben, ist die Oma da. Im Unterricht ist ein städtischer Schulbegleiter an seiner Seite. Er besucht eine – GU steht für „Gemeinsamer Unterricht“. Von 20 Schülern in der Klasse haben vier „sonderpädagogischen Förderbedarf“. Kinder gehen ganz offen mit Luca um. Schon im Sandkasten haben sie seine Mutter gefragt, warum Luca anders spricht als sie oder was mit ihm los sei. Das ist Corinna Lörken am liebsten. „Wir stehen mit Luca automatisch im Mittelpunkt“, erzählt sie. Manche fragen aber nicht, sondern urteilen. Vor einigen Tagen kam ihre Mutter mit dem Jungen vom Spielen zurück und war verstört, weil eine Frau Luca „unerzogen“ genannt und mit dem Kopf geschüttelt hat. „Mir macht so etwas nichts aus, aber meine Mutter war sehr getroffen.“
Da Luca ein so freundlicher, offener Junge ist, bringt er die meisten Menschen aber eher zum Lachen. Auch seine kleine . Sie ist zwei, und schon vor ihrer Geburt war Luca sehr aufgeregt. „Er ist ein stolzer großer Bruder“, sagt seine Mutter. Lara konnte mit einem Jahr laufen, Luca hat erst mit 18 Monaten die ersten Schritte versucht. Als Luca zwei Jahre alt war, hat er das erste Mal „Mama“ gesagt, Lara hat jetzt schon einen riesigen Wortschatz. „Er braucht einfach für alles ein wenig länger.“ Manchmal ist so groß, dass er Dinge sofort machen will. So wie das Fahrradfahren. „Sein Gleichgewichtssinn ist nicht so gut, deshalb kann er noch nicht alleine fahren.“ Sein Rad hängt nun an dem seines Vaters, die Pedale sind abgeschraubt. Luca spielt seit einigen Jahren begeistert Fußball, und er hat etwas Neues entdeckt: Rollerblades. Am liebsten würde er einfach drauflos flitzen. „Mal sehen, was wir uns einfallen lassen“, sagt seine Mutter.
